Oktober 2013

Der Hingucker in Berlin startet die erste Aktion im Soldiner Kiez! Der Hingucker 2013 thematisiert den unmittelbaren öffentlichen Raum um den Jugendtreff Frisbee in der Koloniestraße 129. Als Ausgangspunkt des Projektes steht die Idee, die Fläche des Fußweges mit Rollrasen auszu- legen: Ziel der Aktion ist es, mit dieser künstlichen Überformung den Raum neu erfahrbar zu machen, um somit andere ‚Lesarten’ des Raum zu generieren – und damit einen Prozess der Aneignung in Gang zu setzten.

Das Projekt „Hingucker“

Mit „Kultur macht stark! Bündnisse für Bildung“ fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung in den Jahren 2013 bis 2017 Projekte der kulturellen Bildung, die sich an bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 18 Jahren wenden und von lokalen Bündnissen – kleinen Netzwerken mit mindestens drei Partnern – realisiert werden. In diesem Förderprogramm konnte der gemeinnützige Verein JAS – Jugend Architektur Stadt e.V. mit seinem Konzept „Hingucker“ die Jury überzeugen und wurde mit einer Basisfinanzierung für die fünfjährige Projektlaufzeit ausgestattet.

Das Projekt „Hingucker“ verortet sich im Bereich Stadtteilentwicklung mit dem Fokus auf Gestaltung, Bespielung und Nutzung öffentlicher Räume durch junge Menschen. Öffentliche Räume sind für Kinder und Jugendliche wichtige Aufenthaltsorte, Lernräume, Treffpunkte und Bewegungsräume in der Stadt. Jedoch finden Jugendliche oftmals wenig Berücksichtigung bei der Gestaltung dieser Räume. Des Weiteren werden in öffentlichen Räumen die Alltags- und Gestaltungskulturen eines Stadtteils besonders deutlich. Durch Erkundungen mit ästhetischen Mitteln aus bildender Kunst (z.B. Mapping, Interventionen), der Stadtwahrnehmung (z.B. Mental Maps, Sinneskarten), durch Entwurfsprozesse und die temporäre Umsetzung von Gestaltungsideen können Kinder und Jugendliche diese Alltags- und Gestaltungskultur verstehen und verändern lernen und sich zugleich Raum und Gehör für ihre Anliegen und Ideen verschaffen.

Das Vorhaben „Hingucker“ sieht vor, ab 2013 in mehreren Städten, in denen JAS aktiv ist (Ruhrgebiet, Hamburg, Berlin) über fünf Jahre jeweils einmal jährlich eine Projektphase anzubieten, in denen ältere Kinder und Jugendliche öffentliche Räume in ihrem Quartier erkunden („hingucken“), eigene Gestaltungsideen entwickeln und diese schließlich temporär umsetzen (als „Hingucker“ im öffentlichen Raum). Der Fokus des Projektes richtet sich auf bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche.

Räumliche Folie sind daher benachteiligte Stadtgebiete, die durch komplexe Problemlagen in den Bereichen Soziales und Bildung, Integration und nachbarschaftliches Zusammenleben sowie Städtebau und Umwelt geprägt sind. Das Projekt Hingucker wird Jugendliche mit ihrer alltäglichen Erfahrung als Experten des Stadtgebietes ernst nehmen. Der Projektablauf über fünf Jahre soll zur nachhaltigen Verbesserung des Angebots im Quartier beitragen. Auf Grundlage der Expertise von Jugendlichen können langfristige Strategien einer sozialen Stadtentwicklung aufgebaut und weitergeführt werden.

Potentiale des Projektes

Die langfristig angelegte Laufzeit des Projekts „Hingucker“ ermöglicht es, sich über einen konkreten Ort im öffentlichen Raum hinaus in die konzeptionelle Weiterentwicklung eines ganzen Quartiers einzubringen. Dadurch wird neben einer temporären Umgestaltung oder kurzfristigen Inszenierung des öffentlichen Raums auch der Bereich der perspektivischen Planung und der demokratischen Mitwirkung als Bildungsthema gestärkt. Zudem ist es möglich, über den Bearbeitungszeitraum von fünf Jahren ein dichtes Netzwerk an Akteuren für eine kinder- und jugendgerechte Stadtentwicklung zu bilden, die den angestoßenen Prozess der Quartiersentwicklung weitertragen und bestenfalls sogar die dauerhafte Realisierung einiger der erarbeiteten Ideen bewirken.

Durch das Projekt werden damit verschiedene Ziele verfolgt, die gleichwertig nebeneinanderstehen. Diese Ziele sind unter anderen eine baukulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen, jugendlichen Anliegen und Impulse im öffentlichen Raum aufzuzeigen, junge Menschen zu ermutigen, in ihrem Stadtteil aktiv zu werden sowie hierdurch Ideen, Ansätze und konkrete realisierte Projekte für eine bessere Gestaltungs- und Lebensqualität für letztendlich alle Altersgruppen im Quartier zu schaffen. Das Projekt „Hingucker“ bietet gleichfalls die Chance, bestehende Planungsvorhaben und Initiativen aufzugreifen und diese aus der Perspektive von Kinder und Jugendlichen (neu) zu thematisieren.

Hingucker im Soldiner Kiez

Der Soldiner Kiez - im Nord-Osten vom Wedding gelegen - ist ein dicht besiedeltes Wohnquartier, das sowohl durch Gebäude der Gründerzeit alsauch durch Neubauten aus den 1970er und 1980er Jahre geprägt ist. Die nach Norden offenere Bebauung geht inBereiche für klein strukturierte Gewerbeanlagen und entlang der S-Bahn-Trasse in weitläufige Kleingartengebiete, Sportplätze und Friedhöfe über. Der Pankegrünzug durchzieht das Areal nördlich der Osloer Straße.

Der Soldiner Kiez war zwischen 1997 bis 2007 als förmlich festgesetztes Sanierungsgebiet ausgewiesen und ist seit 1999 – für den Bereich zwischen Osloer, Grüntaler und Drontheimer Str. / Provinzstr. bis zur S-Bahn-Trasse / Kleingartenanlagen – eines der Quartiersmanagement-Gebiete im Berliner Bezirk Mitte.

Der Kiez ist durch eine multikulturelle Gesellschaft geprägt. Der Anteil an Menschen nicht deutscher Herkunft ist im Soldiner Kiez doppelt so hoch wie im Berliner Durchschnitt. Sprachliche und kulturelle Vielfalt charakterisieren die Alltagswelt des Soldiner Kiezes. Doch die urbane Vielfalt des Kiezes hat auch ihre Schattenseiten: Arbeitslosigkeit und materielle Armut schaffen soziale Probleme und negative Entwicklungsperspektiven. Vorallem Kinder und Jugendliche sind von den schwierigen Verhältnissen betroffen: zwei drittel der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren im Soldiner Kiez sind auf Transferleistungen angewiesen.

Zahlreiche Stadtteilinitiativen im Soldiner Kiez versuchen dieser Entwicklung gegen zu steuern: Jugendclubs wie beispielsweise das SOKO, das Frisbee oder Medea schaffen offene Angebote für Kinder und Jugendliche. Zudem kommen zahlreiche Einrichtungen hinzu, die Jugendliche bei schulischen Aktivitäten (u.a. Medienhof) oder bei der beruflichen Ausbildung (u.a. Farbrik Osloer Straße) unterstützten. Der Soldiner Kiez verfügt über ein weit gespanntes Netz an unterschiedlichen Initiativen und Akteuren, deren Arbeit über einen Quartiersrat ausgetauscht und koordiniert wird.

Mit dem Projekt Hingucker sollen die Kinder und Jugendlichen des Soldiner Kiezes für die Situation ihres Stadtteils sensibilisiert werden. In einem Zeitraum von fünf Jahren (2013 – 2018) wird – in Kooperation mit verschiedenen Einrichtungen des Kiezes - durch den hingucker eine Plattform geschaffen, um die Bedürfnisse und Wünsche der jungen Quartiersbewohner im öffentlichen Raum zu artikulieren. Das Projekt hingucker 2013 findet in Kooperation mit den Jugendclub Frisbee statt.

Aus den identifizierten Themen und Orte werden konkrete Folgeprojekte für die weiteren Jahre entwickelt, die auch Öffentlichkeit für die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen schaffen sollen. Die Fortschreibung der Qualitäts- und Defizitpläne erfolgt in den Folgejahren begleitend.

Hingucker 2013

Der Hingucker 2013 thematisiert den unmittelbaren öffentlichen Raum um den Jugendtreff Frisbee in der Koloniestraße 129. Dieser besteht aus einem breiten Fußweg und Stellplätzen, liegt an der Koloniestraße und grenzt direkt an einen kurzen verkehrsberuhigten Abschnitt an. In diesem Raum halten sich die jungen Besucher häufig bereits geraume Zeit vor den Öffnungszeiten der Freizeiteinrichtung aufund „hängen ab“.

Als Ausgangspunkt des Projektes steht die Idee, die Fläche des Fußweges mit Rollrasen auszulegen. Ziel dieser Aktion ist es, mit dieser künstlichen Überformung den Raum neu erfahrbar zu machen, um somit andere ‚Lesarten’ des Raum zu generieren – und einen Prozess der Aneignung des Raumes in Gang zu setzten.

In einer ersten Arbeitsphase wurden mit den Kindern und Jugendlichen anhand von Collagen und Modellen Ideen entwickelt, wie dieser neu gewonnene Raum genutzt und bespielt werden könnte. In der zweiten Workshopphase wurden die Ideen 1:1 im Stadtraum umgesetzt.

Ansprechpartner in Berlin:

Jan Abt / Ralf Fleckenstein

Projektteam hingucker 2013:

Jan Abt / Ralf Fleckenstein / Anna Ochsenreither /Christiane Pietsch

Kooperationspartner:

Frisbee / Sophie Fiedler

Ort:

Sodiner Kietz / Koloniestraße 129

Termin:

1.-3.Oktober 2013